Wasser speichern und nutzen

Notwendiges durchwurzelbares Bodenvolumen: Über die gesamte Lebensdauer sollte auch Großbäumen (Bäume 1. Ordnung) ein ausreichender unterirdischer Lebensraum angeboten werden.

Grafik: EADIPS

Im Mittelpunkt des Schwammstadt-Prinzips steht das Überleben von Stadtbäumen im Straßenraum als effektives Mittel gegen die fatalen Auswirkungen von Überflutungen durch Starkregen und längeren Hitze- und Trockenperioden. Das innovative System ermöglicht in befestigten Flächen die gesunde Entwicklung v. a. großkroniger Bäume, so genannte Bäume 1. Ordnung (GALK) und schafft wichtigen unterirdischen Retentionsraum für die Niederschlagswässer. Die Bäume werden kontinuierlich mit Wasser versorgt, das Kanalsystem entsprechend entlastet.

Weitergehende Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips 

Im Rahmen des Projekts BoRSiS wird mit dem Boden-Rohr-System ein neuer Lösungsansatz zur Retention von Niederschlagswasser infolge von Starkregen und gleichzeitiger Minderung von Hitzestress und Dürreperioden im urbanen Raum entwickelt. Der bislang ungenutzte Leitungsgraben von Abwasserleitungen soll dabei als Speicherkörper für das Niederschlagswasser ausgebildet werden. Durch die Wahl der geeigneten Materialien wird das Einwachsen der Wurzeln angrenzender Straßenbäume in den Speicherkörper ermöglicht, die so während längerer Trockenperioden auf das gespeicherte Wasser zurückgreifen können (Bennerscheidt 2020; Aigner & Bennerscheidt 2022; Quirmbach 2022).

Leitungsgraben als Speicherkörper

Um den Leitungsgraben eines Abwasserkanals als Speicherkörper zu nutzen, wird dieser gegenüber aktuell gängiger Praxis nicht hoch verdichtet, sondern es wird in Form einer Rigole ein porenreicher Speicherkörper geschaffen, der einerseits ein deutlich größeres Retentionsvolumen gegenüber einzelnen Baumstandorten besitzt, andererseits ohne zusätzliche Freiflächen, wie diese z. B. bei Mulden benötigt werden, auskommt. Da das Boden Rohr-System als linienförmiger Speicherraum ausgeführt wird, ergibt sich ein wesentlich größeres Wasser-Speicherpotenzial, als bei Baum-Rigolen mit einem punktuellen Wasserspeicher: Damit können auch große Wassermengen von Starkregenereignissen aufgenommen und mittelfristig gespeichert/genutzt werden.

Der gemeinsam von Starkregen und Wurzeln genutzte Speicherraum muss so bewirtschaftet werden, dass die konkurrierenden Ziele einer schnellen Entleerung für nachfolgende Starkregen und die mittelfristige Speicherung des Niederschlagswassers zur Verdunstung über die Bäume gleichermaßen erreicht werden können.

 

GALK: Internetauftritt der Grünflächenamtsleiterkonferenz, GALK: Altbäume sind unsere Klimaspezialisten. https://www.galk.de/startseite/altbaeume-sind-unsere-klimaspezialisten

Bennerscheidt, C. (2020): Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips – Es ist Zeit zu handeln. – Guss-Rohrsysteme, Heft 54, S. 46 ff. Download: https://media.eadips.org/wp-content/downloads/Jahreshefte-dt/54-EADIPS-Jahresheft_2020.pdf

Aigner, C. & Bennerscheidt, C. (2022): Coolere Städte – ein guter Grund. Ökologische Lösung für Klimaprobleme in Innenstädten. – Guss-Rohrsysteme, Heft 55, S. 46 ff. Download: https://media.eadips.org/wp-content/downloads/Jahreshefte-dt/55-EADIPS-Jahresheft_2022.pdf

Quirmbach, M: (2022): Interview im Kammer-Spiegel der Ingenieurkammer-Bau NRW zum Thema „Das Boden-Rohr-System gegen Starkregen und Hitzeinseln“, Juni 2022, S. 5-8. Download: https://ikbaunrw.de/kammer-wAssets/docs/Kammerspiegel/2022/Kammer-Spiegel-NRW-06-2022.pdf