Mikroklima verbessern

Kreislauffaehige-Materialien

Das Mikroklima beschreibt mittlere atmosphärische Zustände und wiederkehrende Phänomene im mikrometeorologischen Maßstabsbereich. 1975 definierte der Geophysiker Orlanski im Bulletin of the American Meteorological Society „A rational Subdivision of scales for atmospheric processes“ (eine rationale Unterteilung der Skalen für atmosphärische Prozesse). Danach werden atmosphärische Prozesse mit einer horizontalen Ausdehnung von wenigen Millimetern bis einigen hundert Metern der Mikroskala zugeordnet. „Mit Mikroklima ist damit das spezielle Klima eines Areals gemeint, das sich in den bodennahen Luftschichten ausbildet und stark von den vorhandenen Oberflächen (Untergrund, Bewuchs, Bebauung), z.B. deren Rauigkeit und thermischen Eigenschaften, beeinflusst ist“, lautet die Definition des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Etwas „übersichtlicher“ ist das Verständnis von Mikroklima im allgemeinen Sprachgebrauch: die klimatischen Bedingungen im Bereich der bodennahmen Luftschichten bis etwa 2 m Höhe oder das Klima, das sich in einem kleinen, klar umrissenen Bereich ausbildet (z.B. an Hanglagen oder in einer urbanen Umgebung).

Die Folgen des Klimawandels sind insbesondere in unseren Städten heute bereits deutlich spürbar. Die dichte Bebauung, respektive die großräumige Flächenversiegelung, die fehlende oder mangelhafte Vegetation sowie die Emissionen von Luftschadstoffen und Abwärme führen zu einer höheren Durchschnittstemperatur und Schadstoffkonzentration sowie zu niedrigerer Luftfeuchte und reduzierten Windgeschwindigkeiten, als im ländlichen Umland. Städtische Hitzeinseln (Urban Heat Island) und Hitzestress sowie urbane Sturzfluten sind die einschlägigen Keywords hierzu. Alle drei haben für die Menschen besonders negative Auswirkungen.

Schattenspendende Bäume spielen für ein besseres und (kühleres) Mikroklima in den Städten bei zunehmender Hitze eine sehr wichtige Rolle. Um sie zu wässern, werden zunehmend Baumrigolen eingesetzt, die das Wasser im Porenvolumen speichern, Mulden sind Vertiefungen auf der Oberfläche, die zur Speicherung des Wassers dienen. Dort kann das (Stark-)Regenwasser aber nur kurz gespeichert werden, da das Speichervolumen auf den Baumstandort begrenzt ist. Mit der Realisierung von BoRSiS soll es möglich werden, im Leitungsgraben von Rohren unter den Gehwegen oder Straßen Wasser zu speichern und zeitverzögert zur Bewässerung von Stadtbäumen abzugeben. Durch die Nutzung des Leitungsgrabens steht ein erweiterter Speicher für Niederschlagswasser zur Verdunstung über die Bäume und für den Wurzelraum zur Verfügung.

Untersuchungen der Universität Wien haben ergeben, dass die Kühlleistung der Pflanzen mit der Lufttemperatur perfekt zusammenspielt. Das heißt, die Pflanzen/Bäume kühlen dann am stärksten, wenn die Menschen es am Dringendsten brauchen – in den Hitzeperioden. Es spricht also sehr viel dafür, Pflanzen/Bäume verstärkt einzusetzen, um den Energiehaushalt und das Mikroklima von stark verdichteten Städten zu verbessern und damit die Lebensqualität und Gesundheit ihrer BewohnerInnen zu steigern.