BoRSiS in Leichlingen (Rheinland)

Innovatives Boden-Rohr-
System (BoRSiS) in
Leichlingen

Mit Steinwolle und Rohren aus duktilem Gusseisen Starkregen abfedern und im Leitungsgraben
ausreichend Wurzelraum schaffen

Ein Synonym, das zum einen für einen veränderten, wassersensiblen Umgang mit Niederschlagswasser in der Stadt und zum anderen für einen stärkeren Einsatz von kühlender Vegetation im städtischen Umfeld steht, ist „Die Schwammstadt“.

Die ersten Schritte hin zu einer solchen Schwammstadt hat die Blütenstadt Leichlingen getan und zwar mit dem Projekt Regenwasser-Abkopplung Friedensstraße – Ein Pilotprojekt für die Schwammstadt Leichlingen. Um besser auf Starkregen, Trockenzeiten und Hitzeperioden reagieren zu können, setzt die Stadt Leichlingen auf innovative Regenwasserprojekte. In der Friedensstraße hat sie im Herbst 2025 unter Leitung des städtischen Abwasserbetriebs und unterstützt von Partnern des interdisziplinären F+E-Projekts „Boden-Rohr-System als innovatives Element der klimaangepassten Stadtentwässerung (BoRSiS)“ ein Pilotprojekt im Sinne der Schwammstadtstrategie gestartet und umgesetzt.

Einschwenken eines Rohres

Auflagerung auf provisorischen Holzauflagern

Leichlingen packt‘s an

Durch die Klimaveränderung nehmen Starkregenereignisse immer mehr zu. Bedingt durch die Lage der Stadt Leichlingen im Bergischen Land und an der Wupper war das Stadtgebiet bereits mehrfach von Überschwemmungen durch extreme Niederschläge betroffen. Besonders heftig traf es die Stadt zuletzt im Sommer 2021 und auch für die Zukunft sind extreme Wetterereignisse mit erheblichem Starkregen nicht auszuschließen – nicht nur in Leichlingen. Zudem haben die trockenen und heißen Sommer in den letzten Jahren die Bäume im Stadtgebiet stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Stadt, und hier besonders der städtische Abwasserbetrieb, arbeiten daher intensiv an Verbesserungen und sind aufgeschlossen gegenüber modernen Methoden aus Forschung und Technik. Sie schaffen somit Möglichkeiten, um auf der einen Seite die Abflüsse von Regenwasser schadlos zu lenken und richten Rückhaltemöglichkeiten für die Minderung von Niederschlagswasserspitzen ein. Auf der anderen Seite wird Regenwasser als Ressource zur Bewässerung des Stadtgrüns genutzt.

Das BoRSiS-System vereint die Speicherung von Regenwasser von abgekoppelten Flächen und die Förderung des Baumwachstums in einer einzigen linearen Baumaßnahme: über wurzelfeste duktile Gussrohre mit Zementmörtelumhüllung wird Mischwasser weiterhin sicher abgeleitet, während die Leitungszone im Leitungsgraben als belüfteter Wurzelraum ausgebildet wird. Die Rockflow Steinwolle in der Hauptverfüllung des Leitungsgrabens speichert sowohl kleine als auch große Regenwassermengen und gibt sie über einen längeren Zeitraum kapillar über eine Ausgleichsschicht aus Sand an den Wurzelraum ab. Damit reduziert das System Überflutungsrisiken bei Starkregenereignissen deutlich und stellt gleichzeitig einen großzügigen, erweiterten Wurzelraum für Straßenbäume bereit.

 

Unterstopfen der Rohre mit Substrat 16/32

Einbau der Rockflow-Elemente auf der Sandschicht

Null zusätzlicher Flächenbedarf

Netzbetreiber und Kommunen können so Kanalerneuerungs- oder Kanalneubaumaßnahmen effektiv nutzen, da die vorhandene Leitungszone sowohl als Bettung für den Mischwasserkanal als auch als Wurzelraum dient und so zusätzlicher Flächenbedarf entfällt. Die Kombination aus porösem Lavagestein in der Leitungszone und Rockflow Elementen in der Hauptverfüllung des Leitungsgrabens erhöht die gesamte Speicherkapazität für Regenwasser und fördert die Baumvitalität. Technisch ist die Lösung langlebig und kreislauffähig, für eine Lebensdauer von mehr als 50 Jahren ausgelegt und so konstruiert, dass Zugang und Reinigung möglich sind. Das System leistet einen wesentlichen Beitrag zur Klimafolgenanpassung und zur Abkühlung aufgeheizter Innenstädte.

Praktische Umsetzung in Bestzeit

Im Ergebnis wurde also eine Bauweise für den Straßenraum erarbeitet und umgesetzt, die zum ersten Mal die ungenutzten großen Volumina von Leitungsgräben für Abwasserkanäle multifunktional nutzt und dazu beiträgt, Städte in Schwammstädte umzugestalten.

Mit dem Pilotprojekt BoRSiS in der Blütenstadt Leichlingen wurde das Konzept zum ersten Mal in der Praxis umgesetzt. Gemeinsam mit den dort verantwortlichen Personen aus den Bereichen Stadtentwässerung und Grünflächen werden Erfahrungen gesammelt und zur Weiterentwicklung des Konzepts genutzt.
Die neu gepflanzten Bäume in der Friedensstraße werden im Frühjahr hoffentlich dem Beinamen Leichlingens alle Ehre machen.

 

Baumaßnahme Friedensstraße – Übersicht 1

Technische Daten

  • Rohrsystem: Duktile Gussrohre mit Zementmörtelumhüllung. Diese Rohre sind wurzelfest und sichern die Abwasserableitung trotz Nutzung der Leitungszone als Wurzelraum.
  • Wurzelraum: Belüftetes grobkörniges Substrat in der Leitungszone dient als Wurzelraum und speichert zusätzlich Wasser.
  • Wasserspeicherung: Rockflow Steinwolle wird in die Hauptverfüllung des Leitungsgrabens eingebaut. Rockflow speichert große Regenwassermengen und gibt Wasser kapillar an die neu gepflanzten Bäume ab.
  • Versickerung: Eine Sandschicht zwischen der Steinwolle und dem Wurzelraum ermöglicht das Versickern von Wasser in das grobkörnige Substrat, während die wurzelfesten Rohre weiterhin Mischwasser ableiten.
  • Nachhaltigkeit: Rockflow Steinwolle und Rohrsysteme aus duktilem Gusseisen sind nicht nur recycelbar, sondern zu 100 % kreislauffähig. Die Systeme sind langlebig und für leichte Zugänglichkeit und Reinigung ausgelegt.

Projektdaten

Das Projekt in Bildern